Märchenhafte Grimmwelt in Kasselpreloader-imageFlorian Trykowski
Kultur & Events

6 Stationen an der Deutschen Märchenstraße

Die Deutsche Märchenstraße

Kleine Fachwerkstädte, tiefe Wälder, zauberhafte Schlösser und geheimnisvolle Geschichten: Die Deutsche Märchenstraße führt über 600 Kilometer von Hanau bis Bremen – durch ein fabelhaft schönes Deutschland. In Hessen, wo die Grimms den größten Teil ihres Lebens verbrachten, liegt der Ursprung und das Herz der Märchen, denen du unterwegs begegnest:

Hanau – die Geburtsstadt

„Liebe Kinder, ihr müsst jetzt hinaus in die Welt, ich habe nichts, das ich euch geben könnte; macht euch auf und geht in die Fremde, lernt ein Handwerk und seht, wie ihr euch durchschlagt!“ (Aus: Die vier kunstreichen Brüder)

Es gibt über 200 Grimms Märchen, aber Hanau hat seine ganz eigene Sage – und zwar eine, die ganz sicher nicht die beiden berühmten Brüder notiert haben. Denn sie rankt sich um das Brüder Grimm-Nationaldenkmal auf dem Marktplatz von Hanau. Es erinnert daran, dass Jacob und Wilhelm Grimm beide einst in Hanau zur Welt kamen (1785 und 1786). Aber wer ist denn nun wer, fragen sich viele Gäste und schauen etwas ratlos zu den beiden Sprachwissenschaftlern empor, die nach einem Entwurf von Sirius Eberle seit 1896 dort überlebensgroß in Bronze verewigt worden sind. Ja, also … in Hanau kennt man sich ja nun mit Märchen gut aus und erzählt sich daher, dass Jacob und Wilhelm jeweils um Mitternacht heimlich ihre Plätze tauschen. Wer keine Lust hat, das zu überprüfen, der merkt sich einfach: Wilhelm sitzt, Jacob steht.

Die Geschichte der Grimms ist übrigens nicht nur eine über zwei Märchensammler, sondern auch eine von zwei Brüdern, die Zeit ihres Lebens eng verbunden waren und die gemeinsam wissenschaftlich arbeiteten. Jacob und Wilhelm Grimm brachten nicht nur Märchen heraus, sie initiierten unter anderem auch ein wichtiges Standardwerk der Germanistik: das Deutsche Wörterbuch, dessen Fertigstellung sie allerdings nicht mehr erlebten. Die Stadt Hanau vergibt alle zwei Jahre den Brüder-Grimm-Preis für Literatur. Jährlich steigen hier auch die Brüder Grimm Festspiele (2021 sollen sie am 01. Juli beginnen).

Steinau – Kindheitsjahre

„Da rief eine feine Stimme aus der Stube heraus: ,Knusper, knusper, Knäuschen, wer knuspert an meinem Häuschen?’ Die Kinder antworteten: ,Der Wind, der Wind, das himmlische Kind.“ (Hänsel und Gretel)

Im Jahr 1791 siedelte die Familie Grimm ins nördlich von Hanau gelegene Steinau. In dem wunderschönen Renaissance-Bau, in dem die beiden Brüder aufwuchsen, ist heute das Brüder Grimm-Haus eingerichtet. Dort kannst du dir anschauen, wo Jacob und Wilhelm ihre Kindheit verbrachten, und du erfährst viel über die von ihnen gesammelten Märchen. Das Museum würdigt auch Ludwig Emil Grimm, den jüngsten Bruder, der ein erfolgreicher Maler und Grafiker war. Interessante Filme, Installation, Dioramen und Hörstationen sorgen in den Räumen für gute Unterhaltung. Und auch die Stadt Steinau ist thematisch dabei: Regelmäßig werden dort unterhaltsame Märchenführungen durch die mittelalterliche Stadt angeboten.

Rotkäppchen-Stadt Alsfeld

„Die Großmutter aber wohnte draußen im Wald, eine halbe Stunde vom Dorf. Wie nun Rotkäppchen in den Wald kam, begegnete ihm der Wolf. Rotkäppchen aber wusste nicht, was das für ein böses Tier war, und fürchtete sich nicht vor ihm.“ (Rotkäppchen)

Es gibt mehrere gute Gründe, in Alsfeld an der Märchenstraße einmal anzuhalten: Die Stadt hat malerische Gassen und schöne Fachwerkhäuser. Martin Luther soll mal da gewesen sein. Und mit dem Rotkäppchen verbindet die Kleinstadt im Vogelsberg auch eine halbwegs enge Geschichte. Du erinnerst dich an die Tracht des Mädchens, das in Konflikt mit dem Wolf gerät? Jacob und Wilhelm Grimm sollen sich bei der Beschreibung ihres Outfits von der hiesigen Schwälmer Tracht mit dem roten Häubchen inspiriert haben lassen. Und weil an der Märchenstraße eben fast alles märchenhaft ist, nennt sich Alsfeld Rotkäppchen-Stadt. Tipp: Im Märchenhaus vorbeischauen. Dort ist jedes Zimmer einer Grimm-Erzählung gewidmet. Außerdem findest du dort eine liebevoll zusammengestellte Puppenstuben-Sammlung.

Marburg

„Ich glaube, es sind mehr Treppen auf der Straße als in den Häusern“, sagte Jacob Grimm über die Stadt, in der er und sein Bruder Wilhelm studierten.

Vor allem die Marburger Oberstadt ist bergig und verwinkelt. Ganz folgerichtig gibt’s heute einen Grimm-dich-Pfad, der durch die Altstadt bis hinauf zum Schloss führt – und der ist wirklich besonders: Unterwegs entdeckst du nämlich bekannte Märchenfiguren an Häusern, Treppen und Mauern – und vertiefst nebenher dein Wissen über die alten Geschichten. Das Lichtkunstprojekt „Sterntaler“ von Doris Conrad an der Universitätskirche sowie „Das blaue Licht“ im Marburger Schlossbrunnen setzen noch dazu besondere Akzente. An den Stationen des Pfads kannst du mit dem Smartphone Infos über die weltberühmten Brüder und Marburger Studenten abrufen. Und natürlich bietet Marburg mit seinem wunderbar historischen Mittelalterflair ohnehin viele märchenhafte Momente – und auch Stadtführungen und Pauschalen rund um die Grimms.

 

Kassel GRIMMWELT

„Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist die Schönste im ganzen Land?“ (Schneewittchen)

Seit 2015 gibt es den neuen Museumsbau mit der GRIMMWELT Kassel – und die Ausstellung wird seitdem wegen der tollen Architektur und des interaktiven Konzepts viel gelobt und immer wieder ausgezeichnet. In Kassel, wo die Brüder Grimm eine längere Zeit lebten und arbeiteten, kannst du also ihre Ideen und die von ihnen gesammelten Märchen auf eine spannende und moderne Weise näher kennenlernen. Stell dich zum Beispiel vor den Schneewittchen-Spiegel und frage laut, wer die Schönste im Land ist … Zu den wirklich einzigartigen Exponaten zählen in der GRIMMWELT Kassel die sogenannten Handexemplare der Kinder‐ und Hausmärchen – die mittlerweile ins Weltdokumentenerbe der UNESCO aufgenommen wurden. In diesen haben Jacob und Wilhelm handschriftliche Notizen zu den Märchen gemacht, bevor die Texte endgültig in Druck gingen. Unter anderem glätteten sie Stellen, die zu brutal oder wenig kindertauglich waren.

Übrigens waren Jacob und Wilhelm nicht nur leidenschaftliche Märchensammler und Sprachwissenschaftler – sie setzten sich beide auch für Freiheit und die Einführung der Demokratie ein.

 

Hofgeismar im Reinhardswald

 

„Nun waren gerade die hundert Jahre verflossen, und der Tag war gekommen, wo Dornröschen wieder erwachen sollte.“ (Dornröschen)

Beste Voraussetzung für Märchen: Der Reinhardswald, ein Mittelgebirge nordwestlich von Kassel, gehört zu den am dünnsten besiedelten Regionen Deutschlands, und es gibt dort viele alte Buchen- und Eichenwälder. Im Herzen des Naturparks Reinhardswald – dem größten zusammenhängenden Waldgebiet Hessens, liegt der Urwald Sababurg mit der Sababurg, dem Dornröschenschloss. Jaja, doch wirklich: Die wildromantische Ruine soll den Brüdern Grimm als Vorlage für die Beschreibung des Schlosses im Märchen Dornröschen gedient haben. Wundere dich also nicht, wenn du im Wald oder beim Schloss Dornröschen begegnest. Oder einer anderen Märchenfigur. Die Phantasie wird in diesem uralten Wald durchaus beflügelt. Und falls dir ein Jäger in grünem Habit, mit Hut und Hund, begegnet, dann sieht der zwar auch aus wie aus einer der sagenhaften Geschichten entsprungen. Aber vermutlich ist er echt. Am schönsten erlebst du den Wald natürlich in Begleitung eines Rangers – der Naturpark macht jede Menge Programm.

Lust auf mehr? Weitere märchenhafte Stationen sind zu finden entlang der Deutschen Märchenstraße!