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Land und Leute

Wandern auf dem Vulkan

Naturerlebnis auf Vulkangestein

Im mittelhessischen Vogelsberg sind die Vulkane zwar vor 15 Millionen Jahren erloschen, aber das Thema ist aktueller denn je. Als Wanderer trifft man auf Schritt und Tritt auf die Spuren dieser heißen Vergangenheit.

Vulkanismus in Hessen

Was haben Hawai’i und Vogelsberg gemeinsam? Beide sind vom Vulka­nismus geprägte Regionen. Mit dem Unterschied allerdings, dass die Vulkane auf der Pazifikinsel noch aktiv sind und jene in Hessen glücklicherweise erloschen. Das letzte Mal, dass es im Vogelsberg gerumpelt hat, ist gut 15 Millionen Jahre her. Gewaltige Eruptionen förderten damals aus bis zu 80 Kilometern Tiefe riesige Massen Magma zutage, die die Vogelsberger Landschaft formten. An der Oberfläche erstarrten die Lavaströme zu enormen Basaltschichten – Bohrungen haben im zentralen Vogelsberg eine Mächtigkeit der vulkanischen Gesteine von rund 700 Höhenmetern ergeben. Von dieser feurigen Vergangenheit profitieren heute Wanderer und Naturfreunde. Das Ergebnis ist eine abwechslungsreiche Landschaft: Immer und überall trifft man auf ausgespuckte Lavaklumpen, die sich in bizarren Felsformationen haushoch in den Himmel türmen. Kleinere Brocken liegen in den Wäldern wild verteilt oder wurden von emsigen Händen zu Lesesteinwällen zusammengetragen, um die Wiesen für landwirtschaftliche Nutzung freizuhalten. Inzwischen sind diese Trockenmauern Lebensraum für eine Heckenflora mit etlichen Lebewesen. Entstanden ist so eine bunt gemusterte Landschaft mit kleinräumigen Flurabschnitten. Aufgrund dieser Vielfalt an Bergmähwiesen, naturnahen Gewässern und Wäldern wurde der Vogelsberg als Landschaft von nationaler Bedeutung anerkannt. Der Erhalt dieser Kulturlandschaft wird deshalb über ein Naturschutzgroßprojekt gefördert. Und dann ist da natürlich diese herrliche Fernsicht, die sich immer wieder von den Anhöhen aus erstarrter Lava ergibt. 773 Meter ragt der Taufstein empor.

Hessens höchste Stadt

Im ganzen Vogelsberg erklären über 50 Infotafeln an geologisch interessanten Orten die Entstehungsgeschichte der Region. Acht dieser Geotope befinden sich rund um Ulrichstein. Dort begrüßt Andreas Rüb seine Gäste mit festem Händedruck. Er ist einer jener Wanderführer, bei denen man sich sofort gut aufgehoben fühlt. Und da er auch ausgebildeter Vulkanführer ist, kann er auch so ziemlich jede Frage rund um Vulkane und Gesteine beantworten. Seine Gäste nimmt er heute mit auf die WeitblickTour, einem Premium Wanderweg, der in rund vier Stunden um Ulrichstein herumführt. Ein Geotop wartet gleich zu Beginn, wo gurgelnd und plätschernd der Gilgbach fließt. Er ist einer von vielen Bächen in der Region und schlängelt sich durch das schattige Tal; zwischen den uralten Bäumen und den moosüberwucherten Basaltsteinen ist es angenehm kühl. 

 „Wenn es unten in den Städten heiß ist, kommen die Leute gern zu uns herauf“, erzählt Rüb. „Es ist bei uns immer ein paar Grad frischer als in Frankfurt.“ Als es gleich danach über Feldwege hinaufgeht, bekommt man eine Ahnung, wie die Tour zu ihrem Namen kam. Weit schweift der Blick über das Land, prächtig zeigt sich das auf einem Vulkanschlot liegende Ulrichstein mit seiner Burgruine. Der kleine Ort vereint gleich mehrere Superlative auf sich: es ist Hessens höchstgelegene Stadt, hat 1996 den ersten kommunalen Windpark Deutschlands in Betrieb genommen und verfügt über Deutschlands erstes Naturbadebiotop – ein Naturbad, das ohne Chemikalien auskommt, weil Pflanzen einen natürlichen Filter bilden.

Immer wieder trifft die Gruppe auf herrliche Aussichtspunkte – und auch auf Basaltbrocken wie die „Dicken Steine“, ein weiteres Geotop und ein schöner Rastplatz. Plötzlich hält Rüb inne und horcht angestrengt. „Ist Ihnen eigentlich etwas aufgefallen?“, fragt er seine Gäste. „Es ist absolut still hier.“ Und tatsächlich: es ist nichts zu vernehmen außer dem Rauschen des Waldes. „Bei uns sind selten Flugzeuge zu hören“, sagt Rüb.

Heimische Exoten

Am Ende der Tour wartet mit dem Schlossberg noch ein Höhe(n)punkt auf die Wanderer. Auf 614 Metern thront die Burgruine, von der aus man einen Blick über den Naturpark Hoher Vogelsberg bis nach Fulda und Gießen hat. Zu ihren Füßen liegt der Vogelsberggarten. Er zeigt Besuchern auf kleinem Raum die Vielfalt der heimischen Pflanzenwelt und will seltene Gewächse vor dem Aussterben bewahren. Die Obstsorten in den Streuobstwiesen haben denn auch exotisch anmutende Namen wie „Amanlis Butterbirne“, „Danziger Kantapfel“ und „Geflammter Kardinal“. Gleich daneben liegen ein Heilkräuter­- und ein Bauerngarten. Gegen eine kleine Spende kann man sich Samen mitnehmen. Ulrichstein mit seinen Einkehrmöglichkeiten ist auch Etappenort des 115 Kilometer langen Wanderweges Vulkanring. Er führt in sechs Tageswanderungen rund um den Hohen Vogelsberg und verknüpft die natürlichen und kulturellen Höhepunkte der Region. Wer die Wanderung nicht an einem Stück gehen möchte, kann sie sich auf drei Wochenenden aufteilen. Da im Sommer der Vogelsberger Vulkan-Express wochenends verkehrt, ein Bus mit Fahrradanhänger, ist die An- und Abreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln eine attraktive Option.

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