Weinlage mit Aussicht preloader-image H.-J. Heyer

Groß-Umstadt

Eine Insel für den Wein

In Groß-Umstadt pflegen wir den Cappuccino-Faktor.

 

Dieser Satz aus dem Mund eines Winzers wie Oliver Schröbel mag im ersten Moment verwunderlich klingen. Was der 45-Jährige meint, ist die gesellige Lebensart der Bewohner des Odenwälder Kleinstadtlieblings. Wir treffen uns Samstag vormittags auf dem Markt für den Wochenendeinkauf und sitzen dann mit Freunden und Bekannten bei einem leckeren Kaffee oder Cappuccino zusammen,“ erklärt der Geschäftsführer der Odenwälder Winzergenossenschaft. Nur um dann schnell schmunzelnd hinzuzufügen, dass es für Wein meistens einfach noch zu früh sei.

Klein Portugal in Groß-Umstadt

Zurück zum Cappuccino-Faktor: den man eigentlich auch Galão-Faktor nennen könnte. Galão ist eine portugiesische Espressokreation mit Milch. Und die genießt der Groß-Umstädter nach seinem Marktbesuch gerne bei Familie Torres im Costa Verde. Neben portugiesischen und spanischen Spezialitäten gibt es natürlich auch hier leckere Wein und Port. Die Verbundenheit der Groß-Umstädter mit Portugal hat eine lange Tradition. Die Weinstadt Santo Tirso in der Nähe von Porto ist seit 1988 mit Groß-Umstadt verschwistert. Die kleine Stadt im Odenwald hat die größte portugiesische Gemeinde in Hessen. Es gibt einen Portugiesischen Club, portugiesische Geschäfte und Restaurants, einen portugiesischen Fußballverein und die Trommlergruppe Diablos Vermelhos, die Roten Teufel.

Die Weininsel im Odenwald

Ähnlich wie bei Asterix und den Römern, ist Groß-Umstadt mit seinem Wein das Gallische Dorf oder genauer die Weininsel im Odenwald. Das nur 85ha kleine Anbaugebiet ist nämlich das einzige in der Region und wird deshalb auch der großen „Hessischen Bergstraße“  zugerechnet. Mit dem Wein leben die Groß-Umstädter nachweislich schon seit 775 n. Chr. „Viele Bürger der Stadt sind auch heute noch „Samstag-Sonntag“ -Winzer“ , erzählt Schröbel. „Das zieht sich durch alle Berufsgruppen. Ob Schreiner, Lehrer, Pilot oder Arzthelferin - statt Schrebergarten oder Briefmarkensammlung macht man bei uns eben ein paar Reihen Weinberg.“ Auch wenn fast 90 Prozent der Anbaufläche von der hiesigen Winzergenossenschaft bewirtschaftet wird, gibt es auch einige selbstvermarktende Winzer. Und die zeigen, dass Tradition und Moderne ihren gleichberechtigten Platz haben in Groß-Umstadt. Köstliche Weine in schickem Ambiente bietet zum Beispiel die Wein-Zeit des Weinguts Brücke-Ohl. In der Vinothek präsentiert die Winzerfamilie Diehl ihre besten Tropfen. Anders Wein trinken ist beim gleichnamigen Weinanbau Programm. Lars Anders produziert ökologische Weine und Sekte, ein Teil seiner Weine wird vegan hergestellt. Ein Traditionsbetrieb, der mit der Zeit geht.

Feste feiern

Jedes Jahr im September feiert Groß-Umstadt sein großes Winzerfest. Ein Volksfest mit Bauernmarkt, Festumzug und natürlich jeder Menge Wein. 2020 jährt sich diese Tradition zum 74. Mal, der große Festzug steht dieses Jahr unter dem Motto Winzerfest ist das Jahresziel, so verbringen wir das restliche, bei Wein

und Spiel!. Auf insgesamt fünf Bühnen findet an drei Tagen ein abwechslungsreiches Programm statt, der Umzug am Sonntag ist immer das Highlight des Fests. Ein fester Bestandteil ist auch das offizielle Winzerfestglas, das jedes Jahr mit einem neuen Umstädter Motiv herausgegeben wird. Natürlich kann man jederzeit bei uns den Groß-Umstädter Wein probieren und genießen, zum Beispiel bei den zahlreichen kulinarischen Veranstaltungen, die wir das ganze Jahr über anbieten, lädt Oliver Schröbel herzlich dazu ein, seinen Lieblingsort in Hessen zu besuchen.

Geheimtipps: Vom besten Blick der Stadt über die Schlösser zum „São João“

Auf einer Strecke von etwa zwei Kilometern lässt der Weinlehrpfad alles Wissenswerte über die feinen Groß-Umstädter Trauben erkunden. Jede Menge Wissenswertes über den Weinanbau oder die Lagen am Herrnberg mit den vorrangigen Rebsorten wie Müller-Thurgau, Dornfelder oder Roter Riesling und Schwarzriesling. Auf anschaulichen Tafeln bekommt der Wanderer außerdem Informationen zur Geologie, Geografie, Geschichte und Ökologie. Unterwegs lädt die wunderbare Aussicht immer wieder zur Rast ein. Der Blick kann vom Buntsandstein-Odenwald über den Bergsträßer Odenwald bis hin zum Taunus schweifen. Den besten Blick bei gutem Wetter hat man am Ende des Weges, wenn sich bei klarer Sicht in der Ferne die Frankfurter Skyline zeigt. Der Wanderweg S3 führt vom historischen Marktpatz zum Weinlehrpfad. Es ist ein nicht zu anspruchsvoller Rundwanderweg, für man etwa 50 Minuten Zeit einplanen sollte.

Fünf Schlösser und zwei Adelshöfe: Groß-Umstadt kann vielleicht Versailles und Neuschwanstein keine Konkurrenz machen, aber wo bekommt man schon in einer Kleinstadt so viele royale Liegenschaften im Umkreis von 400 Metern. Der klassische Altstadtrundgang führt vorbei am Renaissance-Rathaus, der Stadtkirche, vielen sehenswerten Fachwerkhäusern entlang der 1250 Jahre Stadtgeschichte zum Darmstädter Schloss. Das befindet sich heute im Privatbesitz. Während das Curti-Schloss einem

Gymnasium gewichen ist und nur wenige Überbleibsel an diesen Adelssitz erinnern, wird das Pfälzer Schloss weiterhin aktiv von der Stadt genutzt. Und auch zum Feiern lädt der Rittersaal in historischem Ambiente mit bis zu 130 Personen sein. Das Wambolt'sche Schloss im Renaissancestil ist ebenfalls in Privatbesitz, im Schlossgarten gibt es aber seit vier Jahren einen herrlichen Biergarten. Unter alten Kastanien und Platanen können sich Ausflügler typische Hessische Spezialitäten schmecken lassen. Frisch gezapft läuft auch das Original Groß-Umstädter Bier GUDE ins Glas.

São João, das ist neben dem alljährlichen Winzerfest ein ganz besonderer Tag in Groß-Umstadt. Die Stadt feiert mit ihren portugiesischen Mitbürgern Ende Juli das Johannisfest. Was 1989 als deutsch-portugiesisches Freundschaftsfest auf dem alten Festplatz begann, ist heute das zweitwichtigste Fest nach dem Winzerfest in Groß-Umstadt. Zur Feier der Sommersonnenwende gibt es auf dem Marktplatz Leckereien von Paella bis Stockfisch und bunte Bänder sorgen für den mediterranen Flair. Inspiriert von portugiesischer Kultur und Lebensart wird seit 2012 in Groß-Umstadt auch regionaler Portwein aus heimischen Dornfelder-Trauben hergestellt, mindestens drei bis vier Jahre im Barriquefass gereift.

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