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Kultur & Events

Eine Reise zu altehrwürdigen Burgen und Schlössern

Burgen und Schlösser in Hessen

Wie ein König durch prachtvolle Säle spazieren, wie eine Prinzessin huldvoll vom Turm winken, wie ein Ritter die Burgmauern verteidigen: In Hessens Burgen und Schlössern scheint die Zeit stehen geblieben zu sein. Hier bekommst Du Einblicke in das Leben der Herrscher und Dienstboten von damals – und kannst Dich selbst einmal fühlen wie ein Aristokrat.

Wie im Märchen

Hoch über dem Werratal geht es hektisch zu. Dienstboten eilen mit Körben voller Wäsche,  Äpfeln und Brot über den Hof. Hoch oben im Salon geht der Graf auf und ab, während die Schlossherrin im Kaminzimmer die Mägde beim Tischdecken überwacht. Auf der Brücke fahren die ersten Gäste in ihren Kutschen vor, Hufgetrappel schallt durch die Fenster in das Schlossgemäuer. 

Ob im Mittelalter oder heute: Auf Schloss Berlepsch wurde und wird gerne gefeiert. Kein Wunder, die Kulisse ist wirklich einzigartig hier: Die spätmittelalterliche Festung erhebt sich auf einem Hügel bei Witzenhausen und ist von dichten Wäldern umgeben  – direkt wie aus dem Märchenbuch der Brüder Grimm! Von der romantischen Kulisse ließen sich schon berühmte Maler und Dichter inspirieren, darunter Goethe, der 1801 auf dem Schloss zu Gast war. Erbaut wurde es zwischen 1461 und 1478 von Sittich von Berlepsch und seinen Söhnen auf den Grundmauern einer früheren Burganlage aus dem 14. Jahrhundert. Das Schloss befindet sich damit schon in 19. Generation im Familienbesitz. Der zum Schloss gehörende Park stammt aus dem 18. Jahrhundert und ist im Stil eines Englischen Landschaftsgartens angelegt. Schmale Wege schlängeln sich zwischen kleinen Seen und Hainen hindurch; bunte Blumenbeete umrahmen weite Wiesen. Hier kannst Du in aller Ruhe flanieren und die Natur genießen – oder ein rauschendes Fest feiern. Interessieren Dich die Innenräume des Schlosses? Dann nimm einfach an einer der angebotenen Führungen teil. Es gibt auch kleine Ausstellungen mit Gegenständen aus dem Besitz der Familie Berlepsch. Das Schloss ist außerdem idealer Ausgangspunkt für Wanderungen in dem und um das Werratal herum. Der Werra-Burgen-Steig Hessen, ein zertifizierter Fernwanderweg, der an der Werra entlang von Hannoversch-Münden bis zur Tannenburg verläuft, führt direkt an Schloss Berlepsch vorbei. 

 

Wo einst Fürsten und Grafen wohnten

Hier, an diesem Idealbild eines Märchenschlosses, beginnt unsere Reise durch die Welt der Burgen und Schlösser Hessens. Die Auswahl ist ungemein groß: Ob mitten in der Stadt oder auf Anhöhen mit weiten Ausblicken, überall im Land haben sich Grafen und Fürsten glanzvolle Domizile geschaffen. Rechts und links vom Rhein findest Du zahlreiche Zollburgen aus dem Mittelalter und Früher Neuzeit, deren Aufgabe es war, Zollstationen an wichtigen Handelsstraßen zu überwachen. In den Mittelgebirgen stehen Höhen- oder Spornburgen, die, wie die Namen schon sagen, entweder auf Anhöhen oder Bergspornen sitzen. Aber auch mitten in den hessischen Städten liegen stattliche Schlösser und Herrenhäuser. Einige gehen auf die großen Fürstenhäuser Hessen-Kassel, Hessen-Darmstadt oder Nassau zurück. Und auch vielen kleineren Landesherren wie den Grafen von Erbach, den Grafen von Hanau, den Grafen von Solms, den Grafen von Isenburg oder den Grafen und Fürsten von Waldeck stand der Sinn nach eigenen Residenzen. Viele dieser prächtigen Bauten bestimmen noch heute das Ortsbild kleinerer Städte.

Schloss Büdingen

So wie Schloss Büdingen, das am Rande der romantischen Altstadt des gleichnamigen Städtchens liegt. Das Schloss wurde zur Zeit des Stauferkaisers Friedrich Barbarossa als Wasserburg erbaut. Seit 1258 leben hier die Fürsten zu Ysenburg und Büdingen. Viele Zeugnisse vergangener Zeiten kannst Du hier entdecken, zum Beispiel die Fresken in der gotischen Kapelle oder allerlei mittelalterliche Exponate, die eine schöne Vorstellung vom höfischen Leben vermitteln. Einer der größten Säle im Büdinger Schloss ist der 200 Quadratmeter große Wachtbausaal mit Kreuzgewölbe und spätgotischen Säulen. Auch der mächtige Bergfried aus dem 13. Jahrhundert ist ein echter Hingucker. Er ist rund 35 Meter hoch und enthält fünf übereinander liegende Gewölbe. Die oberen waren zur damaligen Zeit nur über eine Leiter erreichbar. Zahlreiche Legenden ranken sich um das Schloss. So sollen zwei steinerne Figuren, die eines der Tore bewachen, nachts ihre Plätze tauschen. Es heißt jedoch, dass das Phänomen nur von Menschen beobachtet werden könne, die noch nie in ihrem Leben gelogen haben! Hast Du nicht Lust, die Legende zu überprüfen? Das ist ganz einfach, denn in dem mittelalterlichen Gemäuer kann man sogar übernachten. Im äußeren Schlosshof, in den ehemaligen Dienerwohnungen und in dem im angrenzenden Schlosspark liegenden Brauhaus wurden liebevoll ausgestattete Hotelzimmer eingerichtet. 

 

Alte Gemäuer voller Leben

Ebenfalls übernachten kannst Du auf einer der imponierendsten Burganlagen in Südhessen und dem Odenwald: Die Burg Breuberg erhebt sich hoch über der gleichnamigen Stadt. Ursprünglich als Stauferburg errichtet, wechselte sie im Laufe ihrer langen Geschichte mehrmals den Besitzer. Ganz unterschiedliche Adelsfamilien verschiedenster Konfessionen waren hier zu Hause. Diesen bunten Mix an Bewohnern erkennt man heute noch an der ebenso bunten Mischung aus Einrichtungs- und Baustilen. Vor allem Gotik und Renaissance haben Spuren hinterlassen. In den historischen Räumen befindet sich heute das Breuberg-Museum. Hier werden alte Handwerkskunst, Beiträge zur Volkskunde und Gegenstände aus der Burggeschichte gezeigt. Da es sich über die ganze Burg verteilt, kannst Du das Museum nur im Rahmen einer Führung besuchen. Weit über die Grenzen des Odenwalds hinaus ist die Burg für ihre Jugendherberge und ihr buntes Programm für Kinder und Jugendliche bekannt. Natürlich passend zum Ambiente: Ritterspiele, Nachtwanderungen, Burgrallyes und Abende am Lagerfeuer mit Stockbrot machen hier total viel Spaß. Auch die Besteigung des 25 Meter hohen Bergfrieds ist ein Highlight. Er ist das älteste Bauwerk der Anlage, und oben angekommen erwartet Dich ein toller Blick über die ehemalige Herrschaft Breuberg und bis in Taunus und Spessart hinein.

 

Burg Ronneburg

Wenn Du ganz genau hinsiehst, entdeckst Du vielleicht die nächste Station unserer Reise. Mitten im Spessart, idyllisch gebettet zwischen sanften Hügeln und grünen Wäldern, liegt die Burg Ronneburg. Die Burg aus dem 13. Jahrhundert gehört zu den wenigen im Originalzustand erhaltenen Höhenburgen Hessens. Erbaut wurde sie von den Staufischen Königen als Sicherungsburg der „Kaiserlichen Wetterau“ und zum Schutz der Handelsstraßen in der Mainebene und im Wetterau. Erstmals erwähnt wurde sie im Jahr 1231 als „Altar in castro Roneburg“. Besonders sehenswert auf dem Burggelände sind der 96 Meter tiefe Brunnen samt Tretrad, der 32 Meter hohe Bergfried sowie die historische Burgküche. In vielen Räumen siehst du noch Malereien aus dem 16. Jahrhundert. In den ehemaligen Wirtschaftsgebäuden herrscht bis heute richtig Leben: In einem befindet sich ein Restaurant, in einem anderen eine Falknerei. In den Räumen der Kernburg – heute Museum – kannst Du Dir ein Bild vom Leben in einer mittelalterlichen Burg machen. Und in eigenen Seminaren lernen, wie man Bogen baut, mit dem Schwert kämpft und mittelalterliches Essen kocht!

Schlösser und Burgen, soweit das Auge reicht

Vom Spessart aus geht es in den Westen Hessens an die Lahn. Schon bei der Anfahrt sehen wir Schloss Braunfels hoch oben auf der Kuppe eines Basaltkegels liegen. Seit fast 800 Jahren ist das Schloss bei Braunfels im mittelhessischen Lahn-Dill-Kreis im Besitz der Grafen von Solms. Braunfels selbst wird erstmals am 3. Januar 1246 in einer Urkunde erwähnt, und zwar als „castellum brunenvelz“. Noch heute leben hier Mitglieder der Grafenfamilie von Oppersdorff zu Solms-Braunfels. Der größte Teil des Schlosses dient inzwischen als Museum. Es zeigt Mobiliar und die kunsthistorischen Sammlungen der Fürsten von Solms, Inventar aus dem ehemaligen Kloster Altenberg, dazu Waffen- und Kunstsammlungen, Münzen, Orden, Kleidungsstücke und eine Sammlung böhmischen Glases. Ebenfalls spannend sind die mehrmals täglich stattfindenden Führungen. Hier erfährst Du Interessantes über die spannende Entwicklung von der Burg zum Schloss und  über die Geschichte der fürstlichen Familie, die Verbindungen nach ganz Europa und Amerika knüpfte. Ein weiteres Highlight auf dem Schlossgelände ist die dreischiffige gotische Kirche. Graf Otto II. hatte sie Ende des 15. Jahrhunderts erbauen lassen. Die in den Schlussstein des Eingangstors eingemeißelte Zahl 1501 lässt vermuten, dass die Kirche in diesem Jahr geweiht wurde. In den Seitenschiffen der Kirche sind die heute bunt bemalten Grabplatten der fürstlichen Familie zu sehen. Auch die historischen Gemälde an den Wänden und im Gewölbe verdienen Aufmerksamkeit. Sie stammen teilweise noch aus dem 16. Jahrhundert.

Löwenburg und Schloss Wilhelmshöhe

Ebenfalls von einem Fürsten erbaut sind die Löwenburg und Schloss Wilhelmshöhe im Bergpark Wilhelmshöhe in Kassel, die letzte Station unserer Tour durch die hessische Burgen- und Schlösserlandschaft. Die Löwenburg ist ein ganz besonderes Highlight. Majestätisch erhebt sie sich über dem Bergpark Wilhelmshöhe. Der stattliche Gebäudekomplex, der um einen Innenhof errichtet wurde, erinnert an eine mittelalterliche Ritterburg. In Wirklichkeit ist er sehr viel jünger und wurde erst Ende des 18. Jahrhunderts erbaut. Bauherr war Landgraf Wilhelm IX. von Hessen-Kassel, der sich die Burg als Lustschloss für sich und seine Mätresse gewünscht hatte. Im Inneren kannst Du die fürstlichen (und fürstlich ausgestatteten) Wohnräume samt historischen Möbeln, Gemälden, Gläsern und Bronzen bewundern. Die große Waffensammlung zeugt von der Sammelleidenschaft des Landgrafen und späteren Kurfürsten Wilhelm I. Sein Mausoleum befindet sich in der Burgkapelle. Ihren Namen erhielt die Burg übrigens wegen den beiden Löwenskulpturen im Innenhof. 

Unweit der Löwenburg steht ein weiteres Schloss des Kurfürsten. Schloss Wilhelmshöhe wurde von 1786 bis 1798 im Stil des Klassizismus errichtet. Von dem halbrunden Bau hast Du einen wunderbaren Blick auf das Herkulesmonument. International bekannt ist das Schloss heute für sein Museum, das sich im Mittelteil des Gebäudes befindet. Es zeigt eine Sammlung antiker Gegenstände und graphische Werke. Auch die Gemäldegalerie mit Werken Alter Meister wie Rembrandt, Rubens und Dürer ist ein echtes Highlight. Im Museum im Weißensteinflügel wiederum kannst Du durch die einzigen im Originalzustand erhaltenen Räume der Landgrafen spazieren und Dich einmal fühlen wie ein Herrscher der damaligen Zeit. Und vielleicht kannst Du beim Blick aus dem Fenster sogar die Dienstboten über den Hof huschen sehen und dem Hufgetrappel auf dem Kopfsteinpflaster lauschen. Spitz doch mal die Ohren!

 

Lust auf mehr? Weitere Kulturschätze sind zu finden bei den Staatlichen Schlösser und Gärten Hessen oder unter Kultur in Hessen!