preloader-imageUdo Bernhart
Winter am Großen Feldberg

Rein in den Zauberwald

Das Hessische Winterwunderland

Nicht mal 45 Minuten dauert es, von der Frankfurter Innenstadt bis zum Großen Feldberg zu kommen, dem Hausberg aller Ski- und Wanderfreunde im Taunus. Eine Fahrt, die sich vor allem im weißen Winter lohnt.

 

 

Udo Bernhart ist geborener Südtiroler. Ein Mann also, der weiß, wie sich ein echter Berg anfühlt. Wenn jemand wie er, der als Fotograf seinen Lebensmittelpunkt schon vor vielen Jahren nach Frankfurt verlegt hat, vom Großen Feldberg im Taunus schwärmt, sollte man also zuhören und nicht gleich abwinken, weil der höchste Berg Südhessens und des gesamten rheinischen Schiefergebirges nur bescheidene 880 Meter hoch ist. „Ich bin schon mit so einigen Bergmenschen auf charmanten, engen Steigen hinauf auf den Gipfel des Feldbergs gewandert – da oben haben sie dann alle überrascht geschaut und gedacht, es hätte sie in die Alpen verschlagen.“

 

Tatsächlich wirkt die Landschaft im Taunus gerade in den Zeiten, wenn der Winter seinem Namen die Ehre gibt und ihr einen üppigen weißen Zuckerguss spendiert, wie ein archaischer Zauberwald aus dem Märchen. „Wenn es frisch geschneit hat, nehme ich die 45 Minuten Fahrt aus Frankfurt gerne in Kauf“, sagt Udo Bernhart, „dann mache ich mich auf den Weg und powere mich in den rund zwei bis drei Stunden richtig aus, die ich bis auf den Feldberg-Gipfel  brauche.“ Besonders wenn es knackig fröstelt und der Schnee wie ein schimmerndes Festgewand auf den Bäumen klebt und dort eindrucksvoll skurrile Skulpturen entstehen lässt, „die wie verwunschene Waldgeister wirken“, genießt der professionelle Fotograf die Landschaft rund um den Feldberg. Selbst der Umstand, dass es am Großen Feldberg keinen Lift gibt, der Freiluftfreunde direkt auf den Gipfel befördert, freut ihn im Grunde: „Ich bin schon als Sechsjähriger auf Fellen mit den Skiern auf Dreitausender gegangen – hier am Feldberg muss ich das auch, wenn ich später lässig abfahren will. Für mich ist das die ehrlichste Form, den Berg zu erleben.“

Mit dieser Haltung ist er nicht allein: In schneereichen Wintern sind an den  Hängen des Großen Feldberges besonders an Wochenenden viele Skiwanderer, Rodler, Skilangläufer und Winterwanderer unterwegs. Sie sorgen für einen regen Betrieb auf den zahlreichen – und überwiegend sehr gut ausgeschilderten – Wanderwegen. 

 

Der Große Feldberg bildet dabei den Mittelpunkt des Taunus-Hauptkammes, der neben dem Großen auch den Kleinen Feldberg und den Altkönig umfasst. Neben dem Skilift bei der Jugendherberge in Schmitten-Oberreifenberg gibt es auch noch einen am Treisberg, so dass durchaus auch sportliche Ski Alpin-Freunde im Taunusgebiet auf ihre Kosten kommen. Allerdings wird hier der Natur nirgendwo auf die Sprünge geholfen, aus Überzeugung: Sämtliche Pisten und Rodelhänge im Taunus werden nicht präpariert oder sogar künstlich beschneit. Für ehrgeizige Skisportler noch ein besonderer Tipp: Die bekannteste Abfahrt der Region heißt „Siegfriedschuss“. Sie beginnt auf dem Plateau des Großen Feldbergs, ist immerhin anderthalb Kilometer lang und überwindet 170 Meter Höhenunterschied. Snowboarder können diese Abfahrt natürlich auch nehmen, doch beliebter bei den Boardern im Taunus ist die Piste am Lift der Jugendherberge. Sie ist zwar nur 500 Meter lang und teilt sich in zwei Abschnitte, doch auf der raffinierten Strecke werden auch gute Snowboarder gefordert. Wenn´s hingegen ein wenig gemächlicher voran gehen soll, bieten sich die reizvollen Loipenreviere im Naturpark Taunus an: Vor allem in den Gemeinden Schmitten und Weilrod gleiten Skilangläufer durch eine malerische Winterwelt auf verschiedenen gespurten Loipen – insgesamt kommen im Hochtaunus so über 50 Kilometer gespurte Loipen zusammen.

Udo Bernhart übrigens ist nicht nur ein passionierter Skitouren-Geher, der gern mit Fellen auf den Feldberg hinauf zieht und dort sportelt.Er genießt auch die unterschiedlichen Perspektiven und Aussichtsplattformen, die sich rund um den Großen Feldberg bieten. „Vom Brunhildisfelsen zum Beispiel hat man eine wunderbare Sicht auf den Taunus“ sagt er und erzählt, dass an dieser Stelle der Nibelungensaga nach Siegfried die Walküre Brunhild erweckt haben soll.

 

Ihm selbst helfen auf dem Gipfel des Großen Feldbergs aber auch weltliche Genüsse zur Erweckung neuer Lebensgeister: „Auf dem Gipfelplateau kehre ich gern auf dem Feldberghof ein, um ein Süppchen zu essen und ein Getränk zu nehmen – auch von hier ist der Blick wunderbar.“ Zur Zeit wird der Feldberghof zwar restauriert und ist erst in einigen Monaten wieder für Besucher geöffnet, aber es gibt zum Glück einige Alternativen am Berg. Udo Bernhart empfiehlt das Waldgasthaus „Fuchstanz“ zwischen Feldberg und Altkönig – da gibt’s herzhafte deutsche Gerichte und einen ganz besonderen Bonus für sportliche Familien mit dem Wunsch, mal wieder gemeinsam Schlitten zu fahren: Eine der längsten und schönsten Abfahrtsrouten für Rodler führt von der Busstation Windeck nahe beim Kleinen Feldberg vorbei am Fuchstanz bis hinunter nach Falkenstein.

Tipp für die Anreise: Udo Bernhart steigt immer an der gleichen Stelle in den Berg ein – auf dem Parkplatz Große Kurve zwischen Hohemark und Sandplacken. Man sollte, weil die Region vor allem derzeit oft überlaufen ist, nicht bis hoch aufs Plateau des Großen Feldbergs fahren. In Hochzeiten, wie etwa über die Weihnachtsfeiertage oder über Silvester, wird die Gipfelregion für den Individualverkehr sogar gesperrt, es gibt aber öffentliche Verkehrsmittel. Am besten informierst Du Dich hier vorab: https://taunus.info/aktuelles/