Grimm-Geschichte, Uni-Flair, bezauberndes Fachwerk: Tipps für ein perfektes Marburg-Wochenende
Am Freitagnachmittag erreichen wir Marburg. In der kleinen, verwinkelten Universitätsstadt an der Lahn verschmelzen hessische Geschichte und quirliges studentisches Leben seit Jahrhunderten miteinander. Unser erstes Ziel liegt in der Wettergasse: das Café Klingelhöfer, eine Institution in Marburg — und der perfekte Ort, um unsere ortskundige Begleiterin zu treffen.
Süßer Auftakt in der Wettergasse
Annette Klingelhöfer hat Marburg in den Genen und darf sich noch dazu mit einem besonderen Titel schmücken: Sie ist Deutschlands erste Schokoladen-Sommelière. „Ich lebe für Schokolade!“, erklärt sie lachend, während wir Kuchen, Torten und Pralinen in der Auslage bestaunen. „Ich bin praktisch in der Konditorei aufgewachsen und habe sehr früh diese Leidenschaft entdeckt.“ Bevor wir den Stadtrundgang starten, lassen wir uns ein Stück ihrer handgefertigten, von Natur aus pinkfarbenen Ruby-Schokolade mit fruchtigen Aromen auf der Zunge zergehen — köstlich! Vom Café aus schlendern wir die Wettergasse weiter entlang in südlicher Richtung und sind mittendrin im Bilderbuch Marburg.
Hinein in die Oberstadt
In der gesamten Altstadt, die an den Schlossberg gebaut ist, reihen sich bunte — mitunter charmant schiefe — Fachwerkhäuser. Zahlreiche Restaurants, Cafés und kleine Geschäfte machen es leicht, hier Stunden zu verbummeln und die ansteckend fröhliche Atmosphäre zu genießen. Doch wir ziehen weiter, denn wir wollen hinauf zu Marburgs Wahrzeichen: dem über der Altstadt auf einem Felsen thronenden Landgrafenschloss.
Hoch auf den Schlossberg
Auf dem Weg kommen wir gleich mit den wohl berühmtesten einstigen Studenten Marburgs in Berührung: den Brüdern Grimm. Ihnen hat die Stadt mit dem Grimm-Dich-Pfad ein Denkmal errichtet, das sich über zwei Kilometer und 15 Skulpturen sowie historische Orte erstreckt. An der Schlosstreppe passieren wir Rotkäppchens Picknickkorb, kurz darauf einen riesigen goldenen Schuh — Aschenputtel lässt grüßen. Während wir nach den Figuren Ausschau halten, vergeht der Aufstieg zum Schloss fast wie von selbst.
Oben angekommen atmen wir durch und lassen den Blick auf die verwinkelte Stadt unter uns und in das liebliche Lahntal hinein auf uns wirken. Im Fürstensaal und der Schlosskapelle kannst Du hier bedeutende Schauplätze hessischer Geschichte bestaunen. Auch die Kasematten in der Schlossanlage können im Rahmen einer Führung besichtigt werden. Der Schlossbrunnen gewährt einen faszinierenden Tiefblick in den Gewölbekellern: Fast 100 Meter weit reicht der Brunnen hinunter.


Samstag: Markt, Natur, Kultur
Der Samstag beginnt auf dem Südstadtmarkt, wo rund 50 Stände frisches Obst, Blumen, Käse und regionale Spezialitäten anbieten. Danach treffen wir Annette wieder: Zum zweiten Frühstück im Café Klingelhöfer in der Haspelstraße gibt es herzhafte Avocadostulle und himmlische Nusskringel. Während wir genießen, erzählt sie: „Marburg bedeutet für mich Heimat. Und Freundschaft zu vielen Partnerinnen und Partnern, mit denen wir gemeinsam diese Stadt noch schöner machen!“ Ein Beispiel: das jährliche Schokoladenfest, das sie gemeinsam mit Marburg Tourismus ins Leben gerufen hat.
Später spazieren wir durch die Lahnwiesen und fühlen uns für einige entschleunigende Momente mitten in der Natur. Mit Blick auf den Fluss beginnt auch der Abend: mit einem Aperitif in der gemütlichen Villa Biedermeier, bevor wir im Restaurant Mizu kulinarisch und atmosphärisch in die asiatische Welt eintauchen. Wer kulturelle Höhepunkte erleben möchte, besucht eine Vorstellung im Hessischen Landestheater oder das urban-charmante Kulturzentrum Waggonhalle in einem ehemaligen Bahndepot.

Sonntag: Ganz entspannt Bummeln
Am Sonntag schließlich erleben wir beim Bummel über den Marktplatz ein Schauspiel, das zu jedem Marburg-Besuch gehört: Zur vollen Stunde ertönt an der Rathausuhr ein Glockenton und ein Gockel aus Kupfer schlägt darüber laut krähend seine Flügel. Zum Abschluss flanieren wir durch den Alten Botanischen Garten am Fuße der Altstadt. Ein guter Moment, um zwischen betagten Bäumen und moderner Architektur der neuen Uni-Bibliothek schon vom nächsten Marburg-Besuch zu träumen.



































