Mit Mut, Liebe zu heimischen Produkten und frischen Ideen kochte sich Isabelle Pering in die Herzen ihrer Gäste – und zur Aufsteigerin des Jahres
Altenhain ist ein kleiner Stadtteil von Bad Soden im Taunus. Ein paar Straßen nur gibt es hier, einen Apfelhof, einen Kinderspielplatz, viel Wald – und eine kulinarische Attraktion: 2021 hat Isabelle Pering ihr Restaurant Bellas Lokal eröffnet. 2025 kürte der Gault Millau sie zur Aufsteigerin des Jahres. Spätestens seitdem steht Altenhain auf der Landkarte von Gourmets und Neugierigen, die aus ganz Hessen und anderen Teilen Deutschlands zu ihr kommen. Gerade einmal 29 Jahre alt war sie bei der Eröffnung. Dennoch lagen bereits mehrere Stationen in der Spitzengastronomie, unter anderem in Hamburg und Frankfurt, hinter ihr. „Ich wollte schon immer ein Restaurant etwas außerhalb der Stadt eröffnen, da wir hier nur wenig gehobene Gastronomie haben“, erklärt Isabelle. Das Haus in Altenhain war im richtigen Moment zu vergeben. Also renovierte sie es und verwirklichte ihren Traum.
Aromen aus der hessischen Heimat
Bevor sie der Immobilie neues Leben einhauchte, befand sich hier bereits seit 1800 ein Gasthof. Eine Herausforderung: „Früher gab es hier klassische gutbürgerliche Küche. Die ersten Gäste waren von meinen reduzierten Tellern überrascht, manche auch enttäuscht.“ Doch Isabelle blieb ihrem Stil treu: Radikal saisonal ist ihre Küche. Das Menü wechselt alle sechs Wochen, um tatsächlich nur die aktuellen Gemüsesorten auf die Teller zu bringen. „Das ist auf diesem Niveau eher ungewöhnlich, denn ein neues Menü zu konzipieren, ist immer viel Arbeit und braucht Zeit.“ Neben der Saisonalität steht Regionalität im Fokus: Alle Produkte kommen aus Deutschland, die meisten aus kleinen hessischen Bio-Betrieben. Im Vordergrund stehen stets der Geschmack und die Qualität der Produkte: „Mir ist wichtig, das Maximale aus den Produkten herauszuholen. Eine Karotte soll nach Karotte schmecken!“


Bewusste Reduktion
Isabelle würzt daher nur mit Salz und etwas Essig – exotische Gewürze gibt es bei ihr nicht. Passend zu dieser Reduktion aufs Wesentliche stehen auf der Karte statt Gerichten die Namen der Hauptzutaten, etwa „Ente – Wirsing – Kartoffel“ oder „Kürbis – Sauerklee – Molke“. Das Menü gibt es stets in einer vegetarischen Variante und einer Variante mit Fisch oder Fleisch. Eine Konstante gibt es neben den wechselnden Menüs: Isabelles Rindertatar, das bei ihren Stammgästen bereits einige Berühmtheit erlangt hat, kann zu jeder Jahreszeit als Extra bestellt werden.


Ich will keinen Stillstand. Das Wichtigste für mich ist die Entwicklung!
Isabelle Pering
Wer sich mit der jungen Küchenchefin unterhält, merkt schnell, was ihr neben der Kochkunst am Herzen liegt: ihr Team. „Mir ist sehr wichtig, dass hier jede und jeder gehört und gesehen wird“, sagt sie. In ihrer eigenen Laufbahn hat sie selbst unterschiedliche Führungsformen in Sterneküchen erlebt. Als Küchenchefin ihres eigenen Restaurants hat sie jetzt die Chance, ihre persönliche Herangehensweise zu finden und mit Leben zu füllen. Küche und Service versteht sie als eine Einheit, nicht als zwei Fronten. „Die Atmosphäre im Team strahlt ja auch auf die Gäste ab. In Bellas Lokal sollen sie ein heimeliges Gefühl haben und sich entspannen können.“ Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kommen mittlerweile auch aus der weiteren Umgebung – Isabelles Stil zieht Persönlichkeiten an, die ihr Konzept mittragen. „Ich wünsche mir, dass ich in den nächsten Jahren viele Dinge noch verbessern und verändern kann. Am wichtigsten ist für mich die Entwicklung. Ich will nicht, dass es jemals zum Stillstand kommt. Für mein Team wünsche ich mir Menschen, die ebenfalls Lust auf diese Weiterentwicklung haben.“
Heimat, Respekt und Tradition
Isabelles Konzept geht auf. Dass hier mit Freude und Leidenschaft und dennoch wunderbar unaufgeregt gearbeitet wird – das ist in Bad Soden und weit darüber hinaus mittlerweile bekannt. In der Begründung bei der Kür zur Aufsteigerin des Jahres schreibt die Jury des Gault Millau treffend: „Bellas Lokal ist kein Ort, der laut um Aufmerksamkeit buhlt. Stattdessen flüstert er leise von Heimat, Respekt, Tradition und einem tiefen Verständnis für die Kunst des Essens.“































