Naturparkführerinnen und Naturparkführer kennen sich in „ihren“ Parks und Landschaften aus wie kaum jemand anderes. Deshalb haben wir sie gefragt: Welche Plätze, Wege und Winkel haben für Euch eine besondere Bedeutung? Herausgekommen sind jede Menge persönliche Lieblingsplätze, die Lust machen, sie selbst zu entdecken. Los geht’s!
Das Felsenmeer im Lautertal
Stefanie Richter, Geo-Naturpark Bergstraße-Odenwald
Das erste Mal war ich als Schülerin am Felsenmeer. Die Begeisterung für die riesigen Steinblöcke hat mich seither nicht mehr losgelassen. Heute wohne ich am Fuße des Felsenmeers in Reichenbach und kann von meinem Fenster auf die Blockhalde schauen, die für mich beim Sonnenuntergang nochmals einen ganz besonderen Reiz bekommt. Dass sich um die Entstehung dieser einzigartigen Ansammlung von Felsblöcken Sagen ranken, ist nicht verwunderlich.
An diesem Ort – zwischen den Quarzdiorit-Blöcken mit ihrer 340 Millionen Jahre alten Geschichte, dem knorrigen Buchenmischwald und dem weitläufigen Freilichtmuseum – kann man wunderbar die Wechselwirkungen von Geologie, Natur und Kultur erklären. Auch Veränderungen wie der Klimawandel und weitere menschliche Einflüsse lassen sich hier gut zeigen.

Die Faszination, die das Felsenmeer auf mich ausübt, gebe ich gern bei Führungen weiter.
Stefanie Richter![]()
"Hart an der Grenze" im Naturpark Diemelsee
Reinhard Becker, Naturpark Diemelsee
"Hart an der Grenze": Der Platz, der diesen Namen trägt, liegt zwischen den Bergen St. Muffert und Eisenberg direkt am Diemelsee. Außer der herrlichen Natur und den wundervollen Ausblicken weit ins Land gibt es dort eine Besonderheit: Der Platz liegt genau auf der Landesgrenze zwischen Hessen und Nordrhein-Westfalen, sowie zwischen dem Landkreis Waldeck-Frankenberg und dem Hochsauerlandkreis.
Hier lag schon die Grenze zwischen dem Königreich Preußen und dem Fürstentum Waldeck, sowie zwischen der Herrschaft Padberg (Kurköln) und der Grafschaft Waldeck (Hessen). Eine mittelalterliche Fehde zwischen dem Ring Padberg und der Stadt Korbach im Jahre 1413 und wurde erst nach fast 600 Jahren im Jahre 2005 befriedet. Seitdem besteht eine innige Freundschaft zwischen beiden Parteien an der Grenze.

Das ist das mein Lieblingsplatz. Denn dort ist der Beweis lebendig, dass alle zusammen in Frieden in ihrer Heimat leben können.
Reinhard Becker
Keltenwall und Opfermoor bei Nieder-Werbe
Hans-Jürgen Matznohr, Naturpark Kellerwald-Edersee
Die Region Edersee war schon vor über 2.000 Jahren besiedelt. Rund um den Edersee haben die Kelten wichtige Spuren hinterlassen, zum Beispiel oberhalb von Nieder-Werbe am Nordufer des Sees: Auf dem Wanderweg zur Mühlecke kommt man an einer keltischen Wallanlage vorbei, die aus dem Jahr 540 vor Christus stammt. Oberhalb dieser Anlage liegen das sogenannte Opfermoor und die Hengstwiese mit einer etwa 800 Jahre alten Eiche.
Ich mag diesen Ort, weil ich bei meinen geführten Touren in dieser Umgebung sehr gut auf das Leben und Wirken der Kelten in Nordhessen und in der Region Edersee eingehen kann. Aber auch für die Naturbildung, etwa durch die Baumkunde, ist diese Wanderroute wie gemacht.

Ich merke immer wieder: Wer gestresst ist, dem tut eine Auszeit an diesem grünen Ort spürbar gut.
Hans-Jürgen Matznohr
Der Weinberg in Steinau an der Straße
Joachim Bier-Kruse, Naturpark Hessischer Spessart
Der Weinberg südlich von Steinau an der Straße, zwischen Spessart und Vogelsberg gelegen, bietet einen tollen Ausblick: Von hier hat man das Kinzigtal, die schöne Stadt Steinau und die umgebende Kulturlandschaft im Blick.
Im Naturschutzgebiet wachsen Orchideen auf Kalkmagerrasen, und mit etwas Glück begegnet Dir die Ringelnatter. Im Wald lassen sich noch Spuren des früheren Weinanbaus von vor über 200 Jahren finden. Auch heute wird hier auf kleiner Fläche wieder Wein angebaut. Die Schutzhütte der Weinbruderschaft mit Blick über das Tal lädt Wanderer und Radfahrer zum Verweilen ein.

Seit sieben Jahren biete ich Führungen zum Thema Weinberg an; daraus ist meine persönliche Verbindung zu diesem Ort entstanden.
Hans-Joachim Bier-Kruse![]()
Premiumweg P26 am Holstein
Der Holstein mit seinem umliegenden Naherholungsgebiet ist ein ganz besonderer Ort – eine Oase der Ruhe mit tollem Blick auf die Berg- und Hänselstadt Sontra (die früher Bergbau- und Hansestadt war) und die umliegende Landschaft. Als Naturparkführer des Geo-Naturparks Frau-Holle-Land kenne ich unseren neuen Premiumweg P26 Holstein in- und auswendig, ebenso wie die Stelle, an der das Foto von mir und meinen Kindern aufgenommen wurde.
Je nach Laufrichtung steht man entweder vor einem kurzen, knackigen Abstieg oder einem schweißtreibenden Aufstieg. Oben angekommen, eröffnet sich eine malerische Kulisse: Die Dächer von Sontra schmiegen sich harmonisch in das Tal, umgeben von sanften Hügeln und weitläufigen Wäldern. Besonders bei Sonnenaufgang oder -untergang taucht das Licht die Szenerie in warme, goldene Töne und verleiht dem Ort eine fast magische Atmosphäre.

Hier oben spürt man die frische Luft, hört das Zwitschern der Vögel und kann für einen Moment den Alltag hinter sich lassen.
Pascal Gimbel
Mammutbäume am Historischen Rundweg
Corinna Schmidt, Naturpark Taunus
Mein Lieblingsplatz als Naturparkführerin im Naturpark Taunus? Ganz klar: die beiden Mammutbäume am Historischen Rundweg in Oberursel. Der Wanderweg startet direkt an meinem Arbeitsplatz, dem Taunus-Informationszentrum, und ist auf seinen 7,1 Kilometern gut ausgeschildert. Kaum hast Du die Straße überquert, bist Du auch schon mitten im Wald.
Zuerst hörst Du noch das Rauschen der Autos, spürst vielleicht noch die Hitze eines Sommertags. Doch je tiefer Du im Wald verschwindest, desto stärker tritt die Natur in den Vordergrund – der Geruch nach feuchtem Moos, das Zwitschern der Vögel. Und dann stehen sie plötzlich vor Dir – die zwei gewaltigen Mammutbäume beim Frankfurter Forsthaus. Über 40 Meter hoch, mit einem Stammumfang von mehr als acht Metern – es sind echte Giganten, die vor über 150 Jahren gepflanzt wurden. In diesem Moment fühlt man sich ganz klein und doch irgendwie verbunden mit der Natur.

Wenn Bäume sprechen könnten, was würden sie wohl erzählen? Ihre weiche Rinde lädt dazu ein, sie zu berühren, ja, sie sogar zu umarmen.
Corinna Schmidt































